Akaflieg Karlsruhe bis 1933

Vorkriegs-Akaflieg: 1928 - 1933

Die Gründung der Akademischen Fliegergruppe Karlsruhe

Im Wintersemester 1927 / 28 fanden sich einige Studenten zusammen, um auf Anregung von Dr.-Ing. Karl Töpfer, Assistent am Lehrstuhl für Kraftfahrzeuge mit Lehrauftrag für Flugzeugtechnik, eine Segelfliegergruppe zu gründen. Diese ließ sich unter der Bezeichnung "Akademische Fliegergruppe Karlsruhe 1928“ ins Vereinsregister eintragen. Von der "Segelfliegergruppe Karlsruhe“ (SGK), die sich wegen mangelnder Lebensfähigkeit aufgelöst hatte, übernahm sie einen Hängegleiter (siehe Bilderfolge unten) und einen Sitzgleiter namens Brigant.

Erste Flugversuche mit dem Hängegleiter

Bliemchen

BliemchenBliemchen

Mit dem Hängegleiter wurden in der Umgebung von Karlsruhe (vor allem an einem Hang in dernähe von Königsbach im Pfinztal) erste Lufthüpfer unternommen. Bald allerdings war es notwendig den Hängegleiter neu zu bespannen. Es konnte ein geblümter Baumwollstoff günstig erstanden werden, was dem Gleiter den zukünftigen Beinamen „Bliemchen“ bescherte. Leider erwies sich das „Bliemchen“ als kurzlebiges Verbrauchsgut. Während eines reichlich rauen Wetters war man wieder zu einem geeigneten Hang hinausgefahren.
Zunächst hatte keiner so recht Mut bei dem starken Wind zu starten. Schließlich wollte man doch einen Versuch wagen. Kaum waren Gleiter und Pilot in Startposition gebracht, traf das Fluggerät eine starke Bö, der Pilot verlor das Gleichgewicht und kippte zur Seite. Der Hängegleiter schlug auf dem Boden auf und zerbrach. „Bliemchen“ wickelte sich seinem Piloten buchstäblich um den Bauch, an eine Reparatur war nicht mehr zu denken.

 

BrigantDer Sitzgleiter "Brigant"

Der „Brigant“ hatte neben schlechten Flugeigenschaften ein besonders großes Handicap: Der Pilot befand sich innerhalb eines dreieckigen Holzverbandes, an dem die Flügel befestigt waren. Damit lag unmittelbar vor dem Kopf eine Strebe, die nicht nur die Sicht behinderte, sondern sich zudem noch bei harten Landungen als recht gefährlich erwies. Schnell bekam der Brigant den Namen "Schädelspalter" verliehen.

 

 

Neue Ziele - Schulgleiter "Zögling"

ZöglingEs entstand der Wunsch, den damals neu entwickelten Schulgleiter „Zögling“ zu bauen, der von der Rhön-Rossitten Gesellschaft bereits mit gutem Erfolg eingesetzt wurde. Da kein geeignetes Fluggerät mehr vorhanden war, stand genügend Zeit für die Werkstattarbeit zur Verfügung. Ein Kellerraum im Auslagegebäude, der der Gruppe von der Technischen Hochschule zur Verfügung gestellt wurde, diente als Werkstatt. Zur Finanzierung der Arbeit sammelte man Sach- und Geldspenden. Nachdem die Vorraussetzungen für den Bau geschaffen waren, besorgte Albert Hofmann, der auf der Wasserkuppe, dem damaligen Zentrum der deutschen Segelfliegerei, die A- und B-Prüfung abgelegt hatte, die Pläne und das Material.

Nach der A-PrüfungIm Mai 1928 wurde der Zögling fertig und bald darauf konnte der erste Gummiseilstart stattfinden. Nach dem Sommersemester hatten alle ihre A-Prüfung erfolgreich abgelegt: Ferdinand Hügel, Albert Künzler, Franz Villinger, Boris Masing, Heinz Häußler, Otto Goebel, ganz rechts der Fluglehrer Albert Hofmann. (Es fehlt das Gründungsmitglied Bauer.)

Nun wollte man zur Wasserkuppe fahren, um dort die „B“ zu machen, was auch drei Karlsruher Akafliegern gelang.

 

 

Weiterentwicklung und Neuentwurf von Segelflugzeugen

Das nächste Ziel war es einen Zögling mit verkleinertem Rumpf zu bauen, mit welchem eine Flugzeit von mehr als 5 Minuten erreicht werden sollte. Dieser ging aber beim Erstflug 1929 in einem Baum hängend zu Bruch.

Im Rahmen einer Diplomarbeit entwickelte einer der Akaflieger, Heinz Prinz, ein Flugzeug namens HL28 (Hochleistungsflugzeug 1928): Mit 20 m Spannweite, positiv gepfeilten Tragflächen und einem mittragenden Höhenleitwerk wurde das Flugzeug für die Ausnutzung auch schwächster Aufwinde ausgelegt. Betreut wurde die Diplomarbeit von Dr. Töpfer, der die notwendigen Mittel von der Karlsruher Hochschulvereinigung erhalten hatte.

Beim Erstflug 1929 schmierte das Flugzeug ab. Man schrieb das Fehlverhalten des Flugzeugs fehlerhafter Konstruktion zu. Nach einigen Abänderungen wurde im Frühjahr 1930 ein erneuter Flugversuch unternommen, der Segler sackte aber in 4 Metern Höhe erneut ab und wurde wieder beschädigt. Gottseidank entstiegen die Piloten beide Male unverletzt dem abgestürzten Segler.
Nach diesem vergeblichen Flugversuch war die Untauglichkeit der Konstruktion erwiesen und die Gruppe lehnte es ab, noch weitere Zeit und Arbeit für die HL28 aufzuwenden.

Der als Anerkennung für sauberes Bauen an der „HL28“ gespendete Geldpreis wurde für den Kauf eines „Hol’s der Teufel“. Die Maschine der Firma Schleicher in Poppenhausen war ein leichtes Segelflugzeug mit verkleinertem Pilotensitz. Das Flugzeug hatte hervorragende Eigenschaften für die Schulung und erwies sich als vorteilhaft für die „Karlsruher Hochstartmethode“.

 

Die Karlsruhe über der Wasserkuppe

Zur "11. Rhön" im Jahr 1930 erschien die Akademische Fliegergruppe Karlsruhe mit der "Karlsruhe." Nachfolgende Bilder geben Zeugnis von der Flugtauglichkeit dieses Typs und lassen die Faszination des hangnahen Fluges erahnen.

Motorflug in der Akaflieg - die frühen Dreißiger Jahre

Anfang 1929 erhielt die Akaflieg vom Reichsverkehrsministerium die Anfrage, ob sie ein Motorflugzeug haben möchte. Erfreut und verwundert über diese Anfrage, nahm sie das Angebot dankend an und wurde im Mai 1929 glückliche Besitzerin eines Sportflugzeugs des Typs L 25a von Klemm in Böblingen. Vom Reichsministerium erhielt die Akaflieg im April 1931 ein zweites Flugzeug, eine L25a mit verstärkter Zelle und einem besseren Motor. Durch einen tragischen Flugunfall, für den der Motorfluglehrer der Akaflieg vor Gericht als hauptschuldig befunden wurde, konnte die Schulung allerdings nicht mehr fortgeführt werden, denn Fluglehrer Grueber nahm die Lehrtätigkeit nicht mehr auf.

Der Segelflugbetrieb allerdings ging weiter. Schon 1930 hatte man begonnen den „Hol’s der Teufel“ mit einem LKW in die Luft zu bringen, damit konnte man eine Höhe von 120 Metern erreichen, was zu dieser Zeit eine sensationelle Höhe bedeutete.

Zur "12. Rhön" erschien die Akaflieg Karlsruhe mit drei Flugzeugen: "Zögling", "Hol's der Teufel" und "Karlsruhe." (Rechts eine Nahaufnahme der "Karlsruhe" aus jenem Jahr mit Berthold von Freydorf.) Auch im Jahr 1932 waren die Karlsruher noch einmal auf der Wasserkuppe vertreten. Für den Flugwettbewerb schafften sie ein Segelflugzeug vom Typ Kassel-25 D an. Entgegen vieler anderer Halter, die in jenem Jahr Bruch erlitten, konnte die Akaflieg Karlsruhe alle Flugzeuge heil wieder mit nach Hause bringen. Zusätzlich durfte Sie einen Geldpreis und einen nicht minder wertvollen Materialpreis in Form von Sperrholz mit nach Baden nehmen.

Die Entwicklungsarbeit und die Fliegerei der Akaflieg wurden 1933 jäh unterbrochen: Die Akaflieg wurde am 13. Mai 1933 aufgelöst. Das gesamte Gerät wurde der Ortsgruppe Karlsruhe des Deutschen Luftsport-Verbands übereignet.